Die weibliche Figur in Marta Pajeks Impossible Figures and Other Stories II – Seminararbeit

Vor zwei Monaten habe ich meine Arbeit über The Female Figure in Marta Pajek’s Impossible Figures and Other Stories II abgeschlossen. Der animierte Kurzfilm konzentriert sich auf den Konflikt zwischen der rationalen und einer unterschwellig sensiblen Metaebene basierend auf Sexualität, Natur und Intuition. Dabei spielen Metaphern und Symbolik eine wesentliche Rolle, was zu komplexen Deutungsweisen führt. Da Interpretation subjektiv ist, vermittelt meine Arbeit einen individuellen Standpunkt. Die Theorien von Jens Eder und Paul Wells waren eine grundlegende Grundlage meiner Analyse. Dieser Blogbeitrag gibt nur einen Überblick über meine Arbeit. Daher werde ich die wichtigsten Teile erwähnen.

Einleitung

Marta Pajek ist eine polnische Filmemacherin, die 2005 ihren Abschluss an der Fakultät für grafische Künste in Krakau machte. Ihr Stil ist einfach und grafisch. Sie verwendet hauptsächlich traditionelle 2D-Techniken. Darüber hinaus spiegelt ihre Arbeit ein großes Interesse an Psychologie und Spiritualität wider. Auch Musik spielt in ihrer Arbeit eine große Rolle.

Impossible Figures and Other Stories II ist der zweite Teil ihres animierten Triptychons.

Das formale Konzept des Triptychons basiert auf der Gestaltung unmöglicher Figuren. Sie könnten niemals in der Realität konstruiert werden, aber theoretisch. Jeder Teil erzählt eine unmögliche Geschichte, die auf einer einfachen Idee basiert. Je tiefer der Betrachter eindringt, desto mehr Paradoxien begegnen der Geschichte.

Das diegetische Konzept untersucht den Alltag einer modernen Frau in verschiedenen Stadien der Intimität. Der erste Teil handelt von der Gesellschaft, in der die Frau lebt. Der zweite Teil zeigt die Frau in ihrem Zuhause. Der letzte Teil enthüllt schließlich den intimen Raum zwischen zwei Menschen.

Wie ich in einem früheren Beitrag erwähnt habe, war mein Ziel, die Figur zu analysieren und die Symbolik aufzudecken. Welche individuellen und soziokulturellen Faktoren könnten im Film eine Rolle gespielt haben, um das Publikum zu beeinflussen? Wie ist es möglich, so viele verschiedene Interpretationsebenen zu erhalten?

Analyse der Figur von Jens Eder

Jens Eder gliedert die Analyse der Filmfigur in vier Teile. Der Rezipient erkennt die Figur zunächst als Artefakt (mis-en-scène und Montage). Zweitens wird die fiktive Kreatur entdeckt. Der Betrachter macht eine mentale Modellierung der Figur, ihrer Körperlichkeit, Psyche, Sozialität, ihres Verhaltens.

Danach werden die Symbole und Symptome der Filmfigur entdeckt. An dieser Stelle stellt der Betrachter eine Verbindung zu seiner eigenen Identität her. Diese Aspekte waren für mich am interessantesten. Hier habe ich eine Beziehung zwischen den Ideen des Filmemachers und der Vorstellungskraft des Publikums hergestellt.

Die weibliche Figur

Weibliche Ästhetik

Die Figur von Marta Pajek erzeugt ein kurioses Frauenbild: übertriebenes Make-up, aggressive Bewegungen, traurige Körpersprache. Der Filmemacher arbeitet gegen das Mainstream-Image einer weiblichen Figur in der Animation. Nicht nur ihr Aussehen bricht mit Konventionen. Nach Meinung von Paul Wells hat die männliche Figur in den Animationsfilmen immer die offensiven Aktionen (Subjekt) ausgeführt. Die passive Frau wurde in erster Linie durch ihr Aussehen (Objekt) definiert. In der Vergangenheit waren die meisten Protagonisten männlich. Impossible Figures and Other Stories II beweist, dass Schwarz Weiß ist.

Außerdem sind Frauen im Filmgeschäft immer noch in der Minderheit. Dennoch erwähnte Paul Wells die besondere Ästhetik von Filmemacherinnen im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen (Zitat aus ‘Understanding Animation’, S. 200):

The feminine aesthetic seeks to reveal a woman’s relationship to her own body; her interaction with men and other women; her perception of her private and public role; her social and political identity within the domestic and professional space, as determined by law; and also, the relationship between female sexuality, desire and creativity.

Marta Pajek

Fruchtbarkeit

Das Ei ist ein großartiges Symbol der weiblichen Fruchtbarkeit, das – in diesem animierten Kurzfilm – verschwindet. Denn die Protagonistin versucht, wie die anderen zuvor, das letzte Ei zu fangen, bevor es zerbricht. Sie lässt das Ei bis zum Ende des Films nicht los, als es sein Geheimnis preisgibt.

Allerdings sieht Marta Pajek das Ei als zerbrechliches Element. Es war ihr wichtig, ein solches Objekt zu finden, das etwas im Inneren verbergen konnte.

Feminismus

Ich fand eine interessante Analogie zu der frühen feministischen Kurzgeschichte „Die gelbe Tapete“ von Charlotte Perkins Gilman. Der Anfang ist anders, aber beide weiblichen Figuren wurden von jemandem/etwas bärtig gemacht. Beide suchen nach Freiheit. Perkins Protagonistin versucht, ihrem Ehemann zu entkommen und sich gegen die Gesellschaft aufzulehnen. Pajeks Protagonist versucht, dem Betrachter zu entkommen.

I wanted this wallpaper to be a version of the greek choir. Giving a comment of the woman’s, situation or feelings – something that may provide the ’key to the mystery’, something that starts to be visible only at a certain moment. Eventually, it is that ’inner voice’, which takes over (and a nice parallel with ’The Yellow Wallpaper’).

Marta Pajek

Männliche Gegenspieler

Der erste Mann erscheint hängend zwischen den Kleidern im Schrank des Protagonisten. Als hätte sie ihren Bettnachbarn dort vergessen. Außerdem scheinen die Männer willenlose, passive Kreaturen zu sein. Die Metapher schafft ein starkes Symbol der zeitgenössischen Gesellschaft. Variable, austauschbare Partnerschaften sind der Zeitgeist. Das ungewohnte Rollenbild gibt viel zu denken.

Unterbewusstsein

Die weibliche Figur hadert mit ihrer Weiblichkeit und Sexualität. Sie taucht in den tiefsten Ort ihres Geistes ein. Dort findet sie schwierige Beziehungen zu Menschen, große Emotionen und sogar Liebe. Es scheint, als betrete die Frau einen Traum oder eine alte, vergessene Erinnerung. Diese Szene sticht in vielerlei Hinsicht hervor. Der Hintergrund ist tiefblau und alles bewegt sich wie unter Deck auf einem Schiff. Außerdem wird das wunderschöne Lied I’ll Be Your Woman von Michelle Gurevich gespielt.

Fazit

Impossible Figures and Other Stories II lässt viel Spielraum für Interpretationen. Marta Pajek bedient sich einer expressiven, metaphorischen Bildsprache. Außerdem halten einige Einstellungen außergewöhnlich lange – um dem Publikum Zeit zum Nachdenken zu geben.

Marta Pajek hat sich viele Gedanken über ihre Protagonistin gemacht. Sie ließ sich von Werken aus Literatur und Film inspirieren. Die weibliche Figur von Pajeks ist eine starke, unkonventionelle, unabhängige und moderne Frau.

Viele Symbole im Film verweisen auf die weibliche Sexualität. Die Zuschauer wurden ständig mit dem Protagonisten konfrontiert. Gleichzeitig wurde sie von ihnen verfolgt. Die ganze Handlung ist sehr tiefgründig und gut durchdacht.

Ich fand auch einige Parallelen zur feministischen Ideologie. Die meisten männlichen Charaktere fungieren als Objekte, während die Frau das Subjekt ist – ein interessanter Wechsel alter Rollenbilder.

Die Arbeit von Marta Pajek hatte mich sehr beeindruckt und ich liebte es, mich darin zu vertiefen.